GeoWerkstatt-Projekt des Monats November 2025
Projekt: Was ist die richtige Höhenangabe für Berge wie den Mt. Everest (Mt. Qomolangma)?
Forschende: Moneeshwar Srinivasan (Forschungsprojekt im Studiengang Geodäsie und Geoinformatik), Jakob Flury
Projektidee: Höhen und Höhenbezugsflächen in einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern korrekt modellieren – auch in Extremfällen wie bei Bergen im Himalaya
Der Mount Everest ist der höchste Berg der Welt. Wie hoch er tatsächlich ist - das ist nicht nur eine Frage der Messung selbst. Diese geschieht heute über die Positionierung mit globalen Navigationssatellitensystemen (GPS, Galileo, Beidou) und wurde am Everest zuletzt im Jahr 2020 von chinesischen Geodäten sorgfältig durchgeführt.
Ebenso entscheidend ist die Frage des Bezugsniveaus – also vereinfacht gesagt, der Punkt oder die Fläche, von der man misst. Höhen beziehen sich auf Niveauflächen des Schwerepotentials, z.B. auf das Geoid als Fortsetzung des mittleren Meeresspiegels in den Kontinenten. Die Form der Niveauflächen und insbesondere die lokalen Variationen ihrer Krümmungen sind also von der Gravitation beeinflusst. Diese Wirkung macht sich bei großen Gebirgsmassen besonders bemerkbar. Dies gilt sowohl für das Geoid als auch für die Niveauflächen an der Geländeoberfläche (Abbildung).
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IFE
Die von Wissenschaftlern der Chinese Academy for Surveying and Mapping veröffentlichte und gültige Höhe des Everest von 8848.86 m stützt sich auf ein von Wissenschaftlern des Instituts für Erdmessung (IfE) an der Leibniz Universität Hannover bereits 2009 publiziertes Verfahren zur exakten Modellierung der Schwerepotentialwirkung mit Hilfe hochauflösender Gelände- und Massenmodelle. Nun hat der Masterstudent Moneeshwar Srinivasan in einem bemerkenswerten studentischen Forschungsprojekt am IfE die Berechnung mit dem gleichen, aufwändigen Modellierungsverfahren auf eine Gebirgsregion von 70km x 250km um den Gipfel des Everest ausgedehnt. Dies ermöglichte die wesentlich detailliertere und umfassendere Untersuchung des Verhaltens der Niveauflächen in topographischen Extremsituationen.
Seine Ergebnisse, die im September 2025 auf der wissenschaftlichen Versammlung der Internationalen Assoziation für Geodäsie (IAG) in Rimini vorgestellt wurden, zeigen, dass die Krümmungen der Niveauflächen glatter als erwartet verlaufen, was eine korrekte Modellierung der Höhen und Höhenbezugsflächen in einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern auch in solchen Extremsituationen ermöglicht. Die Erkenntnisse sind aber auch von grundsätzlichem theoretischem Interesse für Modellierungsverfahren für das Schwerefeld in gebirgiger Umgebung.