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GeoWerkstatt-Projekt des Monats September 2021 - Verantwortungsvolle Flurbereinigung

Von anderen Ländern lernen: Verantwortungsvolle Flurbereinigung für die ländliche Entwicklung in Ruanda und Deutschland

GeoWerkstatt-Projekt des Monats September 2021

Projekt: Von anderen Ländern lernen: Verantwortungsvolle Flurbereinigung für die ländliche Entwicklung in Ruanda und Deutschland

Forschende: Dr. Kwabena Obeng Asiama, Charles Atakora

Projektidee: Eine vergleichende Studie zum besseren Verständnis der Faktoren, die für die Entwicklung einer verantwortungsvollen Flurbereinigungsstrategie für die ländliche Entwicklung in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara erforderlich sind.

In früheren Zeiten war es in Süddeutschland vielerorts üblich landwirtschaftliche Grundstücke wie Felder oder Wald unter den Erben eines Grundstückeigentümers aufzuteilen. Mit der Zeit entstanden so immer kleinere Parzellen und einzelne Eigentümer hatten unter Umständen mehrere weit auseinanderliegende kleine Grundstücke, was eine rentable landwirtschaftliche Nutzung erschwerte. Mit der Flurbereinigung hat sich mittlerweile ein Verfahren etabliert, bei dem zusammen mit den Eigentümern solche kleinen Grundstücke zu größeren zusammengefasst werden und bei denen neben der Landwirtschaft auch andere Aspekte einbezogen werden – etwa der Umweltschutz und die Regionalentwicklung. In Norddeutschland war es üblich, dass der älteste Nachfahre den Hof erbte und die anderen Kinder ausbezahlt wurden. Daher lag die Zielsetzung der Flurbereinigung im Norden mehr auf Wegebau und dem zusammenlegen von Feldern zu größeren Feldblöcken zur leichteren Bewirtschaftung.

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara (SS) wurde Mitte des 20. Jahrhundert der klassische europäische Ansatz der Flurbereinigungsstrategien übertragen. Doch das führte entweder zum Zusammenbruch des dortigen Landbesitzsystems oder zum Zusammenbruch der neuen Parzellenregelung und verschlechterte damit die Situation. Verantwortlich war dafür ein Zusammenspiel sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren.

Trotz des Scheiterns dieser früheren Versuche ist es in Ruanda gelungen, eine eigene Flurbereinigungsstrategie zu entwickeln, die Land Use Consolidation (LUC). Während sich die herkömmliche Flurbereinigung auf die Vereinheitlichung der Landrechte konzentriert, liegt der Schwerpunkt der LUC auf der Neuordnung der Landnutzung, allerdings mit dem einzigen Ziel, die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Unser Projekt will auf der ruandischen Strategie aufbauen, um eine verantwortungsvolle Mehrzweck-Landkonsolidierungsstrategie zu entwickeln, die für die Länder südlich der Sahara geeignet ist.

Unter Verwendung der Grundlagen von SWOT (Stärken-Schwächen-Chancen-Bedrohungen) und PESTEL (Political-Economic-Social-Technological-Environmental) haben wir einen Vergleichsrahmen entwickelt, der Landbesitz, ländliche Entwicklung, Landmanagement und nachhaltige Entwicklung einbezieht. In diesem Vergleichsrahmen stellen wir die deutsche Flurbereinigung der ruandischen LUC gegenüber. Das Land Rheinland-Pfalz und der Distrikt Rubavu dienen dabei als Fallbeispiele.

Wenn man sich die Stärken und Schwächen in den verschiedenen Kategorien „Politik / rechtliche Situation“, „Wirtschaft“, „Soziale und kulturelle Faktoren“ sowie „Umweltaspekte“ anschaut, stellt in Deutschland das Flurbereinigungsgesetz eine Stärke, die unzureichende Bewertung von Flurbereinigungsprojekten jedoch eine Schwäche dar. In Ruanda ist zwar die nachhaltige Ausgestaltung des LUC, die das gewohnheitsmäßige Landbesitzsystem in hohem Maße berücksichtigt, eine Stärke, aber die Top-down-Entscheidungsstruktur eine inhärente Schwäche. Sie verzögert Investitionen in Land. Hinsichtlich des politischen Einflusses auf die Flurbereinigung zeigt sich, dass die deutschen Flurbereinigungsverfahren unabhängiger von den Landesregierungen sind: Die Regierung nimmt als Partei an der Flurbereinigung teil, manchmal sogar als Mitglied der Teilnehmergemeinschaft. In Ruanda hingegen behält die Regierung die meisten Entscheidungsbefugnisse.

Was die wirtschaftlichen Faktoren anbelangt, so wird das ruandische LUC vollständig von der ruandischen Regierung finanziert. In Deutschland wird jedoch ein Teil der Prozesskosten von den Landbesitzern oder -nutzern getragen, wodurch sie sich stärker in den Prozess eingebunden fühlen. Was die sozialen und rechtlichen Faktoren anbelangt, so musste aus dem ruandischen Gewohnheitsrecht für Grund und Boden ein gemeinrechtliches Eigentumsrecht entwickelt werden, um die Durchführung der Flurbereinigung zu erleichtern. Für den Faktor „Umweltaspekte“ zeigt sich, dass die groß angelegte LUC zu einer weitgehenden Verschlechterung der Bodenqualität führen kann, da die Umweltschutzvorschriften in Ruanda begrenzt sind.

Im nächsten Schritt wollen wir untersuchen, wie sich drei Faktoren - ein Bottom-up-Planungsansatz, ein Finanzierungsansatz und Umweltschutzmaßnahmen - an die ruandische Flurbereinigung anpassen lassen und inwieweit sie sich zur Förderung der ländlichen Entwicklung eignen.