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GeoWerkstatt-Projekt des Monats September 2022 - Daseinsvorsorge auf dem Land

Daseinsvorsorge auf dem Land - von anderen Ländern lernen

GeoWerkstatt-Projekt des Monats September 2022

Projekt: InDaLE

Fördermittelgeber: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Forschende: Winrich Voß, Jörn Bannert und Alice Gebauer

Projektidee: Innovative Ansätze der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen - Lernen von Erfahrungen anderer europäischer Länder für Deutschland.

© InDaLe
Selbst wenn hier noch ein Fahrzeug parkt - gibt es genügend Feuerwehrleute?

Insbesondere in strukturschwachen und dünn besiedelten ländlichen Regionen wirken sich die Folgen des demographischen Wandels existenzgefährdend auf bestehende Infrastrukturen aus: Schulen schließen, Arztpraxen geben auf, Freiwilligen Feuerwehren fehlt das Personal. Unter diesen Rahmenbedingungen steht Deutschland seit etwa zwei Jahrzehnten vor der Herausforderung, die Daseinsvorsorge sicherzustellen und die ländlichen Räume attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten.

Andere Länder Europas haben ähnliche Herausforderungen in ländlichen Räumen zu bewältigen. Das  InDaLE-Projekt prüft, inwieweit Deutschland von Projekten lernen kann, die sich in Schottland, Schweden und Österreich bewährt haben.  

© InDaLe
Ein Beispiel für medizinische Versorgung im ländlichen Raum.

Ein solches Beispiel ist das Projekt KI-JU-PALL in Österreich:
Ein Team aus diplomierten Krankenpfleger:innen, Kinderachärzt:innen, Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen übernimmt die flächendeckende, mobile Palliativversorgung im ländlichen Raum Niederösterreichs. Die Teammitglieder erhalten eine zusätzliche Ausbildung durch den Universitätslehrgang der „Palliative Care“ und sind eng mit weiteren wichtigen Akteur:innen der Palliativmedizin vernetzt - mit ehrenamtlichen Teams, dem regionale Universitätsklinikum und mobilen Palliativteams.

Das Projekt KI-JU-PALL konnte sich nach der ersten finanziellen Förderung halten und die Dienstleistungen weiterhin anbieten. Entscheidend beigetragen haben dazu:

  • ein nachhaltiges Finanzierungskonzept, das unterschiedliche Finanzierungsquellen (z.B. durch Spenden und Sponsoring) beinhaltet.
  • Außerdem ist das Projekt eng an bereits bestehende mobile Palliativteams im Erwachsenen-bereich angebunden und mit anderen Akteur:innen der Palliativversorgung vernetzt.
  • Hinzu kommt, dass die Teammitglieder regelmäßig untereinander kommunizieren und von der interdisziplinären Zusammenarbeit profitieren.
  • Das Projekt erhält zudem Unterstützung seitens der Politik.
  • Zusammen mit der Fördermittelgeber:in wurde eine Projektstrategie ausgearbeitet.

Insgesamt betrachtet das Forschungsprojekt InDaLe 15 solcher Fallbeispiele.
Neben der medizinischen Versorgung und Pflege stehen mit der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (z. B. Freiwillige Feuerwehr) und der nachschulischen Bildung zwei weitere Bereiche der Daseinsvorsorge im Fokus. Pro Bereich werden drei ausländische Fallbeispiele sowie zwei deutsche Fallbeispiele analysiert.

Zentrale Fragestellung ist, wie sich Pilotprojekte dauerhaft verstetigen können, um die damit verbundenen Leistungen im ländlichen Raum weiterhin anzubieten.

Um entsprechende Erfolgsfaktoren zu finden, werden qualitative Leitfadeninterviews mit Personen geführt, die an den untersuchten Projekten mitwirken, aber auch mit Expert:innen, die einen übergeordneten Blick auf die Daseinsvorsorgebereiche und den ländlichen Raum haben. Im Mai 2022 fand zudem ein Expert:innen-Workshop in Hannover mit Vertreterinnen aus Kommunen und Praxis statt. Die abschließenden Analysen zu Verstetigung und Übertragbarkeit der Fallbeispiele dauern aktuell an.    

© InDaLe
Wie lassen sich Pilotprojekte dauerhaft verstetigen?

Die Abbildung fasst 4 Dimensionen oder Wirkungsbereiche zusammen, in denen sich ein Projekt verstetigen kann. Jedem Wirkungsbereich sind zahlreiche Erfolgsfaktoren zugeordnet, die bei Berücksichtigung in der Projektplanung die Wahrscheinlichkeit einer Projektverstetigung erhöhen. Dazu gehört:

  • der finanzielle Wirkungsbereich z.B. die ökonomische Tragfähigkeit eines Projekts,
  • der inhaltliche Wirkungsbereich z. B. müssen Ziele und Inhalte eines Projekts deutlich formuliert werden,
  • der organisationsstrukturelle Wirkungsbereich z.B. die Motivation und Weiterbildung der Mitarbeiter:innen
  • und der politische Wirkungsbereich d.h. die Unterstützung seitens politisch-gesellschaftlicher Akteure.

Weiterführende Informationen zum Projekt: www.indale.org